Kaltes Nahwärmenetz Neubaugebiet Haßfurt

Die beschauliche Kreisstadt Haßfurt in Unterfranken gilt seit geraumer Zeit als Vorbildgemeinde für dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Vielfältige technische Lösungen ergeben in Haßfurt bereits seit vielen Jahren ein perfektes Zusammenspiel zur 100%-Versorgung mit erneuerbarer Energie. Durch diese äußerst effiziente Versorgung soll den zukünftigen Hausbesitzern eine sichere, umweltverträgliche sowie bezahlbare Energieversorgung garantiert und darüber hinaus interessante Einsparmöglichkeiten beim Hausbau geboten werden.


Mit dem neuen Wohngebiet Am Osterfeld II möchte Bürgermeister Günther Werner nun konsequent die dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen für die Gemeinde Haßfurt fortsetzen. Das Neubaugebiet liegt im Westen der Stadt und besitzt über 80 Bauplätze. Die Stadt Haßfurt möchte auch dieses Gebiet, das sich über eine Fläche von 112.580m2 erstreckt, mit hocheffizienter Nahwärme versorgen. Werner, der sich von Anfang an für dieses Projekt eingesetzt hat, erläutert seine Motivation für das Engagement: „Die Nahwärme garantiert den zukünftigen Hausbesitzern eine sichere, umweltverträgliche sowie bezahlbare Wärmeversorgung und bietet darüber hinaus interessante Einsparmöglichkeiten beim Hausbau. Somit war es für uns im Gemeinderat keine Frage, die Inbetriebnahme eines „kalten“ Nahwärmenetzes in Haßfurt Ende 2016 zu unterstützen.“ Norbert Zösch, Geschäftsführer der Städtischen Betriebe Haßfurt GmbH und verantwortlich für die kommunale Energieversorgung der Gemeinde, erklärt das Grundprinzip eines „kalten“ Nahwärmenetzes: „Das Konzept  beruht im Wesentlichen auf zwei Säulen: der Nutzung erneuerbarer Energien und flexiblen Temperaturen, die sich dem tatsächlichen Verbrauch anpassen. In einem konventionellen Netz stellt die Heizzentrale permanent 70 bis 80 Grad warmes Wasser bereit. Während der Sommermonate gibt es aber zumeist diesen Bedarf für solch hohe Temperaturen nicht, sodass große Netzverluste entstehen. Um diese Verluste zu minimieren, wird in Haßfurt das System ganzjährig auf einer gleitenden Temperatur bis max. 50°C betrieben. Mit diesem „kalten“ Betriebsmodus lässt sich der Wärmebedarf der Anschlussteilnehmer mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien abdecken“.


In Haßfurt geschieht dies durch eine Heizzentrale mit Erd-/Biogas- Blockheizkraftwerk, die mit Hilfe der sogenannten „Kraft-Wärme-Kopplung“ (KWK) gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Eine Solarthermieanlage mit 125 m2 Flächenkollektoren erzeugt zusätzliche Wärme. Das gasbetriebene BHKW heizt das Wärmenetz je nach Witterung auf 20 bis maximal 50 Grad auf. Die Solarthermie hat somit die Möglichkeit einen hohen Anteil an der Energieerzeugung beizutragen. Den Rest übernehmen die Wärmepumpenübergabestationen in den Häusern der ca. 75 Anschlussteilnehmer. Dabei dient das Netz als Quelle – die notwendige elektrische Antriebsenergie für die Wärmepumpe liefert das Blockheizkraftwerk. Alle Wärmepumpen sind über ein Bus-System mit der Heizzentrale verbunden. Das System ist intelligent geschaltet: Es erfasst aktuelle Wetterdaten, Vorhersagen sowie den notwendigen Energiebedarf der einzelnen Objekte. Das Bus-System errechnet anhand der Daten die erforderliche Netztemperatur und entscheidet autark, welche Energieart zur Erzeugung der Wärme die effektivste ist.


Die autarke Energieversorgung via Nahwärmenetz wirkt sich auch sehr positiv auf den geplanten Hausbau aus, wie Norbert Zösch erläutert: „Der Primärenergiefaktor für das Nahwärmenetz beträgt in Haßfurt 0,40 fP, FW. Ein hervorragender Wert, dank dem beispielsweise die Isolierung der Häuser nicht so aufwendig ausfallen muss. Somit steht die komplette Dachfläche zum Bau einer Photovoltaikanlage zur Verfügung. Die innovative und regenerative Technologie sorgt zudem für eine sehr gute CO₂-Bilanz. Die im Rahmen des „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes“ geforderte Bedingung, die den Gebäudeeigentümern vorschreibt, einen Teil der Wärme aus erneuerbaren Energien zu produzieren, wird durch den Nahwärmenetzanschluss bereits komplett erfüllt.“


„Die Kosten für den Einbau der Wärmeübergabestationen sowie für die laufenden Verbrauchskosten (Wärmepreis) sind vertraglich geregelt. Die Preisbindung der Wärmelieferung liegt bei 10 Jahren. Damit erhält der Kunde eine langfristige Planungssicherheit“, freut sich Zösch. Kein Wunder, dass bei diesen positiven Rahmenbedingungen Norbert Zösch bereits an dem Ausbau des heutigen Nahwärmenetzes arbeitet. „Für den Sommer 2018 ist geplant, dass wir 40 weitere Anschlussteilnehmer nördlich des bisherigen Neubaugebietes einbinden. Sozusagen „Am Osterfeld III“ als nächste Ausbaustufe dieses erfolgreichen, kommunalen Energieprojekts.“


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